Narzisst und seine neue Partnerin: 7 Dinge, die er ihr über dich erzählt
Wenn ein narzisstisch geprägter Mann eine neue Partnerin findet, beginnt für ihn nicht nur eine neue Beziehung. Häufig beginnt auch eine neue Erzählung über seine Vergangenheit. Und in dieser Geschichte spielt seine ehemalige Partnerin manchmal eine ganz andere Rolle als in der Wirklichkeit.
Vielleicht hast du jahrelang versucht, ihn zu verstehen. Du hast seine Stimmungsschwankungen ertragen, seine Fehler entschuldigt und immer wieder gehofft, dass eure Beziehung eines Tages harmonischer wird. Du hast geweint, diskutiert, verziehen und irgendwann vielleicht selbst die Trennung ausgesprochen.
Doch wenn er seiner neuen Partnerin von dir erzählt, wird sie möglicherweise eine ganz andere Frau kennenlernen.
Eine Frau, die angeblich undankbar war. Die ihm das Leben schwer gemacht hat. Die ihn nicht verstanden und seine Liebe nicht verdient hat.
Er erzählt vielleicht nicht, wie oft du um ein ehrliches Gespräch gebeten hast. Nicht, wie lange du versucht hast, die Beziehung zu retten. Und schon gar nicht, welchen Anteil sein eigenes Verhalten an euren Problemen hatte.
Das Auffällige an solchen Geschichten ist, dass sie häufig mehr über das Selbstbild des Erzählenden verraten als über die Frau, von der er spricht.
„Sie war am Anfang ganz anders.“
Er erzählt seiner neuen Partnerin, wie wunderbar eure Beziehung begonnen habe.
Du seist damals freundlich, aufmerksam und liebevoll gewesen. Doch irgendwann hättest du dich vollkommen verändert.
„Am Anfang war sie eine tolle Frau. Aber später habe ich sie kaum wiedererkannt.“
Was er möglicherweise verschweigt, ist die Entwicklung eurer Beziehung.
Vielleicht wurdest du vorsichtiger, weil er dich wiederholt enttäuscht hatte. Vielleicht hast du weniger gelacht, weil du dich zunehmend unverstanden fühltest.
Vielleicht hast du begonnen, Grenzen zu setzen, nachdem du lange zu viel hingenommen hattest.
In seiner Darstellung erscheint diese Veränderung jedoch grundlos.
Er beschreibt nicht, was zwischen euch passiert ist, sondern nur, dass du irgendwann nicht mehr dieselbe warst.
Die neue Partnerin könnte daraus schließen, dass sie unbedingt so bleiben muss wie zu Beginn der Beziehung: verständnisvoll, unkompliziert und immer verfügbar.
„Sie hat mich vor anderen schlechtgemacht.“
Vielleicht hast du während eurer Beziehung irgendwann mit deiner Schwester, einer Freundin oder deiner Mutter über eure Probleme gesprochen.
Du brauchtest jemanden, der dir zuhörte.
Doch seiner neuen Partnerin erzählt er:
„Meine Ex hat überall schlecht über mich geredet.“
„Sie hat meine Familie gegen mich aufgehetzt.“
Dabei besteht ein großer Unterschied zwischen gezielter Rufschädigung und dem Bedürfnis, sich bei vertrauten Menschen Unterstützung zu holen.
Wer unter einer belastenden Beziehung leidet, darf darüber sprechen.
Wenn dein ehemaliger Partner jede Form von Unterstützungssuche als Verrat bezeichnet, kann das auch dazu dienen, die neue Partnerin vorsichtiger zu machen.
Vielleicht erzählt sie dann niemandem mehr von ihren eigenen Beziehungsproblemen, weil sie nicht ebenfalls als illoyal gelten möchte.
Doch Loyalität bedeutet nicht, über alles schweigen zu müssen, was einen verletzt.
„Sie war immer so negativ.“
Er beschreibt dich als Frau, die ständig schlechte Laune gehabt habe.
„Mit ihr konnte man einfach nicht glücklich sein.“
„Sie hat immer etwas gefunden, worüber sie sich beschweren konnte.“
Vielleicht warst du tatsächlich irgendwann häufig traurig, gereizt oder erschöpft. Doch er erwähnt möglicherweise nicht, weshalb.
Vielleicht hast du schlecht geschlafen, weil ihr ständig gestritten habt. Vielleicht hast du dich allein um wichtige Verpflichtungen gekümmert oder hattest das Gefühl, emotional nichts mehr von ihm erwarten zu können.
In seiner Erzählung wird deine Erschöpfung zu einer Charaktereigenschaft.
Aus einer Frau, die unter bestimmten Umständen unglücklich geworden ist, wird eine Frau, die angeblich grundsätzlich unzufrieden war.
Die neue Partnerin möchte nun besonders positiv und fröhlich sein.
Vielleicht beginnt sie sogar, ihre eigenen Sorgen zu verbergen, damit er sie nicht ebenfalls als negativ empfindet.
„Sie konnte sich nie über mein Glück freuen.“
Vielleicht hatte dein ehemaliger Partner große berufliche Pläne, neue Hobbys oder persönliche Ziele. Du hast ihn unterstützt, solange eure gemeinsamen Verpflichtungen nicht darunter litten.
Doch wenn er immer mehr Zeit für sich beanspruchte und du irgendwann um Rücksichtnahme gebeten hast, fühlte er sich möglicherweise kritisiert.
Seiner neuen Partnerin erzählt er nun:
„Meine Ex hat mir nie etwas gegönnt.“
„Sie war neidisch, wenn es mir gut ging.“
Damit wird aus deinem Wunsch nach gegenseitiger Rücksichtnahme angebliche Missgunst. Die neue Partnerin könnte versuchen, jede seiner Entscheidungen begeistert zu unterstützen.
Doch in einer gesunden Beziehung dürfen beide Menschen eigene Ziele verfolgen und gleichzeitig Verantwortung füreinander übernehmen.
Ein Partner, der dich liebt, muss nicht jeden deiner Wünsche erfüllen. Aber er sollte bereit sein, auch deine Bedürfnisse zu berücksichtigen.
„Sie hat unsere Beziehung kaputtgemacht.“
Diese Aussage klingt wie eine endgültige Erklärung.
Er erzählt, dass er alles versucht habe, während du angeblich nicht bereit gewesen seist, an der Beziehung zu arbeiten.
Vielleicht sagt er: „Ich hätte sie niemals verlassen, wenn sie sich nur ein bisschen Mühe gegeben hätte.“
Dabei kann eine Beziehung aus vielen Gründen scheitern.
Manchmal verlieren Menschen die emotionale Verbindung. Manchmal entstehen über Jahre ungelöste Konflikte. Und manchmal trägt ein Partner deutlich mehr Verantwortung für verletzendes Verhalten als der andere.
Doch wer grundsätzlich keine eigenen Fehler anerkennen möchte, sucht häufig nach einer einfachen Erklärung.
Und diese lautet dann: Der andere war schuld.
Seine neue Partnerin bekommt dadurch möglicherweise den Eindruck, dass sie allein dafür verantwortlich ist, die neue Beziehung glücklich zu gestalten.
Doch eine Partnerschaft kann nicht dauerhaft funktionieren, wenn nur einer für ihr Gelingen verantwortlich gemacht wird.
„Sie wollte mich nach der Trennung zurück.“
Vielleicht hast du dich nach eurer Trennung noch einmal bei ihm gemeldet.
Du wolltest offene Fragen klären, persönliche Gegenstände zurückbekommen oder verstehen, weshalb bestimmte Dinge passiert waren.
Vielleicht hattest du auch einen schwachen Moment und hast ihm geschrieben, dass du traurig bist.
Seiner neuen Partnerin erzählt er daraus möglicherweise eine ganz andere Geschichte.
„Meine Ex kommt einfach nicht über mich hinweg.“
„Sie hat alles versucht, um mich zurückzubekommen.“
Damit stellt er sich als Mann dar, der noch immer begehrt wird.
Gleichzeitig kann er bei seiner neuen Partnerin das Gefühl erzeugen, dass eine andere Frau weiterhin um ihn kämpft.
Solche Dreiecksdynamiken können Eifersucht und Konkurrenz fördern.
Dabei ist es völlig normal, nach einer Trennung noch Fragen, Trauer oder widersprüchliche Gefühle zu haben.
Das bedeutet nicht automatisch, dass jemand die Beziehung wieder aufnehmen möchte.
„Du bist viel besser als sie.“
Vielleicht ist dies der Satz, den seine neue Partnerin besonders gerne hört.
Er sagt ihr, dass sie schöner, klüger, liebevoller oder verständnisvoller sei als du.
Er erklärt, dass er mit dir niemals so glücklich gewesen sei.
Für die neue Partnerin fühlt sich das zunächst wie eine besondere Anerkennung an. Doch psychologisch betrachtet kann ständiges Vergleichen eine problematische Wirkung haben.
Denn ihre vermeintliche Überlegenheit hängt davon ab, dass eine andere Frau abgewertet wird. Sie lernt möglicherweise, dass seine Zuneigung mit bestimmten Erwartungen verbunden ist.
Solange sie anders ist als die angeblich schwierige Ex, bekommt sie Anerkennung. Doch was passiert, wenn auch sie einmal unzufrieden ist, Grenzen setzt oder Kritik äußert?
Dann könnte sie plötzlich dieselben Eigenschaften zugeschrieben bekommen, die er zuvor dir vorgeworfen hat.
Eine gesunde neue Beziehung braucht keine abgewertete ehemalige Partnerin, um besonders wertvoll zu erscheinen.
Was möchte er mit solchen Geschichten erreichen?
Nicht jede negative Erzählung über eine ehemalige Partnerin ist bewusst manipulativ.
Menschen erinnern sich unterschiedlich an Beziehungen und betrachten vergangene Konflikte häufig aus ihrer eigenen Perspektive.
Bei ausgeprägten narzisstischen Verhaltensmustern kann jedoch ein starkes Bedürfnis bestehen, das eigene Selbstbild zu schützen.
Eigene Fehler anzuerkennen, kann intensive Scham auslösen. Deshalb werden unangenehme Erfahrungen manchmal so umgedeutet, dass die Verantwortung hauptsächlich beim anderen liegt.
Gleichzeitig kann eine solche Geschichte der neuen Partnerin vermitteln, welche Verhaltensweisen er erwartet und welche er angeblich nicht toleriert.
So beeinflusst die Vergangenheit möglicherweise schon früh die Dynamik der neuen Beziehung.
Was solltest du als ehemalige Partnerin daraus lernen?
Vielleicht erfährst du irgendwann, welche Dinge dein ehemaliger Partner über dich erzählt. Es ist verständlich, wenn dich das verletzt oder wütend macht.
Doch du musst nicht jede Behauptung widerlegen.
Du darfst dich daran erinnern, wie du die Beziehung erlebt hast, ohne ständig andere Menschen von deiner Sichtweise überzeugen zu müssen.
Wenn falsche Aussagen ernsthafte Folgen für deinen Ruf, deine Kinder oder deine Sicherheit haben, ist es sinnvoll, Unterstützung zu suchen und dich angemessen zu schützen.
Ansonsten darfst du deine Aufmerksamkeit wieder auf dein eigenes Leben richten. Seine neue Partnerin wird ihre eigenen Erfahrungen sammeln.
Du bist nicht dafür verantwortlich, sie zu überzeugen oder seine Vergangenheit für ihn richtigzustellen.
Seine neue Geschichte verändert nicht deine Vergangenheit
Vielleicht erzählt er seiner neuen Partnerin, dass du schwierig, undankbar oder lieblos gewesen seist. Vielleicht beschreibt er sich als denjenigen, der alles versucht hat.
Doch seine Erzählung kann die Erfahrungen, die du gemacht hast, nicht einfach auslöschen. Du weißt, wie oft du gehofft, verziehen und versucht hast, eine Lösung zu finden.
Und du darfst auch anerkennen, dass du selbst nicht immer alles richtig gemacht hast, ohne deshalb die alleinige Verantwortung für das Scheitern der Beziehung zu übernehmen.
Du musst nicht dafür sorgen, dass er eines Tages die Wahrheit über eure Beziehung erzählt, um mit deiner eigenen Vergangenheit Frieden schließen zu können.
Manchmal bedeutet Loslassen auch, zu akzeptieren, dass ein anderer Mensch eure gemeinsame Geschichte anders erzählen wird. Und dass du trotzdem weitergehen darfst.






