Allein in Frieden ist besser als zu zweit im Chaos
Sieben Jahre habe ich geglaubt, dass Liebe bedeutet, immer wieder zurückzukommen. Dass zwei Menschen nur stark genug kämpfen müssen und irgendwann alles wieder gut wird. Heute weiß ich, dass ich in Wirklichkeit nicht für die Liebe gekämpft habe, sondern gegen die Angst, loszulassen.
Wenn ich an diese sieben Jahre zurückdenke, dann waren nur die ersten drei wirklich schön. Damals war alles leicht. Wir hatten gemeinsame Träume, konnten miteinander lachen und ich war überzeugt, den Menschen gefunden zu haben, mit dem ich alt werden würde. Ich erinnere mich noch daran, wie sicher ich mir war, dass wir alles gemeinsam schaffen würden.
Doch irgendwann änderte sich etwas. Nicht plötzlich, sondern ganz langsam. Erst waren es kleine Missverständnisse, dann immer häufiger Streitigkeiten. Nach jedem Streit folgte eine Trennung und nach jeder Trennung fanden wir wieder zueinander. Jedes Mal glaubte ich, diesmal hätten wir aus unseren Fehlern gelernt. Jedes Mal hoffte ich, dass dies endlich der Neuanfang sein würde, auf den ich so lange gewartet hatte.
Heute erkenne ich, dass wir uns nicht verändert haben. Wir haben nur immer wieder dieselbe Geschichte von vorne begonnen.
Mit jedem neuen Streit verlor ich ein kleines Stück von mir selbst. Ohne es zu merken, wurde ich immer vorsichtiger. Ich überlegte genau, was ich sagen durfte und was lieber nicht. Ich wollte keinen Streit auslösen, keine schlechte Stimmung verursachen und keine Diskussion beginnen. Irgendwann richtete sich mein ganzes Leben danach, wie es ihm gerade ging.
Das Verrückte daran war, dass ich trotzdem immer glaubte, wir hätten noch eine Chance. Ich klammerte mich an die schönen Erinnerungen aus den ersten Jahren und übersah dabei, dass unsere Gegenwart längst ganz anders aussah.
Es gab Tage, an denen wir uns trennten und wenige Tage später wieder versöhnten. Danach fühlte sich alles für kurze Zeit wieder leicht an. Genau diese Momente gaben mir Hoffnung. Ich redete mir ein, dass der Mann vom Anfang noch irgendwo da sein musste. Heute weiß ich, dass ich nicht mehr den Menschen liebte, der vor mir stand. Ich hielt an der Erinnerung fest, wie alles einmal gewesen war.
Irgendwann wurde mir klar, dass ich ständig auf bessere Zeiten wartete. Ich lebte nicht mehr im Hier und Jetzt. Ich dachte immer nur: Vielleicht nächste Woche. Vielleicht nächsten Monat. Vielleicht nach dem nächsten Gespräch.
Aber dieses „Vielleicht“ wurde zu Jahren.
Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als ich mich fragte, warum ich eigentlich so große Angst davor hatte, allein zu sein. Denn wenn ich ehrlich war, fühlte ich mich schon lange einsam. Nicht weil niemand neben mir saß, sondern weil ich mich mit meinen Gedanken, meinen Sorgen und meinen Gefühlen immer öfter allein gelassen fühlte.
Als die Beziehung endgültig vorbei war, hatte ich Angst vor der Stille. Ich dachte, das Alleinsein würde das Schwerste werden. Doch genau das Gegenteil passierte.
Zum ersten Mal musste ich keine Diskussion mehr fürchten. Ich musste niemandes Stimmung beobachten. Ich musste mich nicht mehr fragen, ob heute ein guter oder schlechter Tag werden würde.
Es war ruhig.
Und erst in dieser Ruhe verstand ich, wie laut das Chaos gewesen war, in dem ich so viele Jahre gelebt hatte.
Ich begann langsam wieder zu mir selbst zu finden. Ich entdeckte Seiten an mir, die ich längst vergessen hatte. Ich konnte wieder Entscheidungen treffen, ohne Angst vor einer Reaktion zu haben. Ich konnte wieder lachen, ohne im Hinterkopf zu überlegen, ob gleich der nächste Streit beginnt.
Natürlich war die Trennung nicht leicht. Es gab Tage, an denen ich gezweifelt habe. Tage, an denen ich unsere schönen Erinnerungen vermisste. Doch jedes Mal, wenn ich ehrlich zu mir selbst war, wusste ich, dass ich nicht die Beziehung vermisste. Ich vermisste nur die Hoffnung, die ich so viele Jahre in sie gesetzt hatte.
Heute glaube ich nicht mehr, dass Liebe bedeuten muss, ständig zu kämpfen. Liebe sollte ein Ort sein, an dem man sich sicher fühlt. Ein Ort, an dem man wachsen kann und nicht jeden Tag ein Stück kleiner wird.
Wenn ich eines aus diesen sieben Jahren gelernt habe, dann dies: Frieden ist unbezahlbar. Er fühlt sich am Anfang ungewohnt an, wenn man lange Chaos erlebt hat. Aber irgendwann wird genau dieser Frieden zu dem Zuhause, nach dem man sich so lange gesehnt hat.
Deshalb würde ich mich heute immer wieder gleich entscheiden.
Lieber allein mit einem ruhigen Herzen, als jeden Tag neben einem Menschen zu leben und innerlich immer mehr zu zerbrechen.






