Fühlen Narzissten beim Kuscheln dasselbe wie andere Menschen

Fühlen Narzissten beim Kuscheln dasselbe wie andere Menschen

Wer einmal mit einem Narzissten zusammen war, erinnert sich oft an den Anfang der Beziehung. Alles fühlte sich intensiv an.

Die Blicke.


Die Nachrichten.

Die Küsse.

Die Leidenschaft.

Man hatte das Gefühl, endlich einem Menschen begegnet zu sein, der verrückt nach einem ist. Viele Betroffene beschreiben die erste Zeit sogar als die leidenschaftlichste Beziehung ihres Lebens.

Doch genau hier beginnt oft das Missverständnis. Denn starke Leidenschaft ist nicht automatisch ein Zeichen für tiefe Liebe.


Narzissten lieben oft das Gefühl des Verliebtseins

Viele Narzissten lieben die erste Phase einer Beziehung.

Sie lieben das Kribbeln.

Die Aufregung.

Die Jagd.

Die Aufmerksamkeit.

Die Bewunderung.

Sie genießen die intensiven Emotionen, die am Anfang entstehen.

In dieser Phase können sie unglaublich aufmerksam, romantisch und körperlich präsent sein.

Sie küssen leidenschaftlich.

Suchen Nähe.

Wollen ständig zusammen sein.

Der andere Mensch fühlt sich begehrt wie nie zuvor.

Doch oft geht es weniger um tiefe emotionale Verbundenheit als um das Gefühl, das diese neue Beziehung in ihnen auslöst.

Warum die Leidenschaft oft schnell verschwindet

Das Problem beginnt häufig dann, wenn aus Verliebtheit Alltag wird.

Wenn die Beziehung ruhiger wird.

Wenn die ersten Monate vorbei sind.

Wenn man sich kennt.

Wenn die Eroberung abgeschlossen ist.

Viele Menschen wünschen sich dann eine andere Form von Nähe.

Mehr Gespräche.

Mehr Vertrauen.

Mehr Verbundenheit.

Mehr gemeinsames Kuscheln.

Mehr emotionale Intimität.

Doch genau an diesem Punkt ziehen sich viele Narzissten zurück.

Denn die ruhige, beständige Nähe einer gesunden Beziehung gibt ihnen oft nicht dieselbe emotionale Stimulation wie die aufregende Anfangsphase.

Stundenlang kuscheln? Für viele Narzissten eher nicht

Viele Menschen lieben es, einfach zusammenzuliegen. Sich festzuhalten. Zu reden. Gemeinsam Filme zu schauen. Sich stundenlang zu umarmen.

Für sie entsteht genau dort Liebe.

Für viele Narzissten hingegen wirken solche Momente schnell langweilig.

Nicht unbedingt, weil sie ihren Partner nicht mögen.

Sondern weil sie ständig neue Reize brauchen. Ständige Aufmerksamkeit.

Neue Bestätigung.

Neue emotionale Impulse.

Langes Kuscheln ohne Spannung erfüllt dieses Bedürfnis oft nicht. Deshalb berichten viele Partner später:

„Am Anfang konnte er die Hände nicht von mir lassen. Später hatte er nicht einmal Zeit für eine Umarmung.“

Die körperliche Leidenschaft bleibt oft oberflächlich

Viele Narzissten sind sehr körperliche Menschen.

Sie genießen Flirten.

Sexuelle Spannung.

Leidenschaftliche Küsse.

Die körperliche Anziehung.

Doch emotionale Intimität ist etwas anderes. Emotionale Intimität entsteht, wenn zwei Menschen sich wirklich öffnen. Wenn sie über Ängste sprechen.

Über Unsicherheiten.

Über Verletzungen.

Über ihre innere Welt.

Genau dort wird es für viele Narzissten schwierig. Denn echte Nähe bedeutet Verletzlichkeit. Und Verletzlichkeit empfinden viele Narzissten als unangenehm.

Warum viele Partner verwirrt sind

Das ist einer der Gründe, warum Beziehungen mit Narzissten oft so verwirrend sind.

Die Leidenschaft am Anfang war echt.

Die Anziehung war echt.

Die körperliche Chemie war echt.

Doch viele Partner verwechseln diese Intensität mit tiefer emotionaler Liebe.

Später merken sie:

Wir haben uns zwar oft geküsst.

Wir hatten Leidenschaft.

Aber wir hatten kaum echte emotionale Nähe.

Ich kannte seine Gefühle nicht.

Er kannte meine Gefühle nicht.

Wir waren körperlich nah und emotional weit voneinander entfernt.

Narzissten sehnen sich nach Nähe – aber nicht nach zu viel Nähe

Das klingt widersprüchlich, ist aber ein häufiges Muster. Viele Narzissten wünschen sich Nähe. Aber nur solange sie sich dabei wohlfühlen.

Sobald Nähe Erwartungen mit sich bringt, wird sie schwieriger.

Sobald Verantwortung entsteht.

Sobald man Rücksicht nehmen muss.

Sobald man emotional präsent sein soll.

Dann ziehen sich viele zurück.

Sie wollen die angenehmen Seiten der Nähe.

Aber nicht immer die emotionale Arbeit, die echte Intimität verlangt.

Was Menschen oft als Liebe missverstehen

Viele Betroffene denken lange: „So leidenschaftlich wie er war, muss er mich geliebt haben.“ Doch Leidenschaft und Liebe sind nicht dasselbe.

Leidenschaft kann in wenigen Wochen entstehen.

Liebe wächst oft über Jahre.

Leidenschaft lebt von Aufregung.

Liebe lebt von Beständigkeit.

Leidenschaft sucht den Kick.

Liebe bleibt auch dann, wenn der Alltag beginnt.

Genau deshalb zerbrechen viele Menschen innerlich, wenn sie erkennen, dass die unglaubliche Intensität vom Anfang nicht automatisch bedeutete, dass echte emotionale Tiefe vorhanden war.

Fazit

Viele Narzissten erleben körperliche Nähe anders als Menschen, die vor allem emotionale Verbundenheit suchen.

Sie genießen häufig die Leidenschaft, die Spannung und das Gefühl, begehrt zu werden. Die ersten Monate einer Beziehung können deshalb unglaublich intensiv wirken.

Doch wenn aus Leidenschaft ruhige Nähe wird, verlieren viele Narzissten das Interesse. Stundenlanges Kuscheln, tiefe Gespräche und emotionale Verbundenheit geben ihnen oft nicht das, wonach sie eigentlich suchen: Aufmerksamkeit, Bestätigung und emotionale Stimulation.

Deshalb erinnern sich viele Betroffene an eine Beziehung voller Leidenschaft – aber gleichzeitig an einen Menschen, der nie wirklich gelernt hat, dauerhaft nah zu sein.

Denn wahre Liebe zeigt sich nicht nur in den leidenschaftlichen Küssen am Anfang. Sie zeigt sich in den stillen Momenten danach.

Quellen

The Narcissist You Know – Joseph Burgo
Beschreibt die Dynamik narzisstischer Beziehungen, Idealisierung und den späteren Verlust von Interesse und Nähe.

Disarming the Narcissist – Wendy T. Behary
Analysiert die Schwierigkeiten narzisstischer Persönlichkeiten mit emotionaler Intimität, Verletzlichkeit und Bindung.

The Seven Principles for Making Marriage Work – John Gottman
Zeigt, welche Faktoren langfristige emotionale Nähe und stabile Partnerschaften fördern.

Author

  • Melina Lauer Fuchs

    Ich bin Melina, Autorin dieses Textes. Mit meinen Worten möchte ich berühren, aufrütteln und zum Nachdenken anregen. Themen wie emotionale Verletzungen, familiäre Muster und inneres Wachstum begleiten mich seit vielen Jahren – beruflich wie persönlich. Wenn du dich in meinen Zeilen wiederfindest, dann weißt du: Du bist nicht allein.

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