Narzisst und Ausreden: 7 typische Ausreden, wenn er erwischt wird

Narzisst und Ausreden 7 typische Ausreden, wenn er erwischt wird

Es gibt Menschen, die selbst dann noch eine Ausrede finden, wenn die Wahrheit längst auf dem Tisch liegt. Du hast eine Lüge entdeckt, einen Widerspruch bemerkt oder deinen Partner bei etwas erwischt, das er dir bewusst verschwiegen hat. Eigentlich erwartest du nur, dass er ehrlich ist und seinen Fehler zugibt.

Doch stattdessen beginnt eine Diskussion, in der plötzlich alles verdreht wird. Er rechtfertigt sich, greift dich an oder macht dich für sein Verhalten verantwortlich. Am Ende bist du erschöpft und fragst dich, weshalb du überhaupt etwas angesprochen hast.


Menschen mit ausgeprägten narzisstischen Verhaltensmustern haben häufig Schwierigkeiten, eigene Fehler einzugestehen. Kritik kann ihr Selbstbild bedrohen und starke Scham oder Wut auslösen.

Statt Verantwortung zu übernehmen, versuchen sie manchmal, ihre eigene Unschuld zu beweisen – selbst wenn die Tatsachen dagegensprechen.

Hier sind sieben typische Ausreden, die in solchen Beziehungen immer wieder vorkommen.

„Das bildest du dir doch nur ein!“

Du entdeckst Nachrichten auf seinem Handy, in denen er mit einer anderen Frau flirtet. Du fragst ihn, was das zu bedeuten hat.

Doch statt einer ehrlichen Antwort hörst du: „Du interpretierst da viel zu viel hinein. Das ist doch völlig harmlos. Du bist einfach krankhaft eifersüchtig.“

Plötzlich geht es nicht mehr um seine Nachrichten, sondern um deine angeblich falsche Wahrnehmung.

Er versucht, dich davon zu überzeugen, dass du etwas missverstanden hast.

Wird die Wahrnehmung eines Partners wiederholt gezielt infrage gestellt, kann dies eine Form von Gaslighting sein.

Das Problem: Irgendwann beginnst du, deinen eigenen Beobachtungen weniger zu vertrauen als seinen Erklärungen.

Eine gesunde Beziehung braucht Ehrlichkeit und keine ständige Verunsicherung.

„Du hast mich dazu gebracht!“

Diese Ausrede ist besonders verletzend, weil sie die Verantwortung vollständig auf dich verschiebt.

Du erfährst beispielsweise, dass dein Partner hinter deinem Rücken schlecht über dich gesprochen hat.

Als du ihn darauf ansprichst, antwortet er: „Wenn du nicht immer so schwierig wärst, müsste ich mich auch nicht bei anderen beschweren.“

Oder du entdeckst, dass er heimlich mit einer anderen Frau flirtet.

Seine Erklärung: „Du hast dich in letzter Zeit kaum um mich gekümmert. Was hast du denn erwartet?“

Mit solchen Aussagen versucht er, sein Verhalten als Folge deiner angeblichen Fehler darzustellen.

Natürlich können beide Partner zu Problemen in einer Beziehung beitragen. Doch niemand wird durch Unzufriedenheit dazu gezwungen, zu lügen oder zu betrügen.

Wer Probleme hat, kann darüber sprechen.

Die Verantwortung für sein eigenes Verhalten trägt jeder Mensch selbst.

„Du übertreibst mal wieder maßlos!“

Dein Partner hatte versprochen, rechtzeitig nach Hause zu kommen. Doch er erscheint mehrere Stunden später, ohne Bescheid zu geben.

Als du ihn fragst, weshalb er dich nicht informiert hat, reagiert er genervt.

„Mein Gott, jetzt mach doch nicht wieder so ein Drama! Ich bin doch da. Andere Frauen wären froh, wenn ihr Mann überhaupt nach Hause kommt.“

Du wolltest lediglich wissen, weshalb eine Absprache nicht eingehalten wurde.

Doch plötzlich musst du erklären, warum du enttäuscht bist. Diese Ausrede funktioniert über die Abwertung deiner Gefühle.

Anstatt sich mit seinem Verhalten auseinanderzusetzen, erklärt er deine Reaktion zum eigentlichen Problem.

Mit der Zeit kann das dazu führen, dass du berechtigte Enttäuschungen gar nicht mehr ansprichst.

Du möchtest schließlich nicht ständig als überempfindlich oder streitsüchtig gelten. Dabei ist es vollkommen legitim, Verlässlichkeit und Rücksichtnahme von einem Partner zu erwarten.

„Das war doch nur Spaß!“

Ihr sitzt mit Freunden zusammen. Dein Partner macht sich über dein Aussehen, deine Arbeit oder deine Fähigkeiten lustig.

Die anderen lachen. Du fühlst dich gedemütigt. Später erklärst du ihm, dass dich seine Bemerkung verletzt hat.

Seine Antwort: „Du verstehst aber auch überhaupt keinen Spaß. Man darf bei dir wirklich nichts mehr sagen.“

Damit versucht er, sich aus der Verantwortung zu ziehen.

Natürlich gehört Humor zu einer Beziehung. Partner dürfen miteinander scherzen. Aber Humor sollte nicht dauerhaft auf Kosten der Würde eines Menschen gehen.

Wenn jemand wiederholt deine Unsicherheiten benutzt, um andere zum Lachen zu bringen, und anschließend deine Verletzung abwertet, ist das kein liebevoller Umgang.

Ein respektvoller Partner sollte bereit sein, zuzuhören, wenn du sagst, dass etwas für dich eine Grenze überschritten hat. Ein Scherz ist nicht harmlos, wenn er immer wieder denselben Menschen verletzt.

„Du machst doch selbst genug Fehler!“

Du erfährst, dass dein Partner heimlich Geld vom gemeinsamen Konto ausgegeben hat.

Du möchtest wissen, weshalb er dich nicht informiert hat. Doch statt einer Erklärung beginnt er, deine Fehler aufzuzählen.

„Und was war letzten Monat, als du so viel Geld für Kleidung ausgegeben hast?“

„Du hast damals auch etwas gekauft, ohne mich zu fragen.“

„Du bist doch selbst nicht besser.“

Innerhalb weniger Minuten diskutiert ihr nicht mehr über seine Entscheidung, sondern über Dinge, die du vor Wochen getan hast.

Dieses Ablenkungsmanöver wird häufig als Whataboutism bezeichnet. Ein anderes Thema wird eingeführt, um die Aufmerksamkeit vom ursprünglichen Problem wegzulenken.

Natürlich dürfen beide Partner Kritik äußern. Doch wenn bei jeder berechtigten Frage sofort deine Vergangenheit hervorgeholt wird, entsteht keine wirkliche Klärung.

Am Ende bleibt sein Verhalten ungeklärt, während du dich wieder einmal rechtfertigen musst.

„Ich wollte dich doch nur schützen!“

Diese Ausrede klingt zunächst besonders fürsorglich.

Du erfährst, dass dein Partner dir etwas Wichtiges verschwiegen hat. Vielleicht hat er Schulden gemacht, heimlich Kontakt zu seiner Ex-Partnerin aufgenommen oder eine Entscheidung getroffen, die auch dich betrifft.

Du bist verletzt, weil er nicht ehrlich war.

Doch er erklärt:

„Ich wollte dich damit nicht belasten.“

„Du hast doch schon genug Sorgen.“

„Ich wusste, dass du wieder falsch reagieren würdest.“

Plötzlich wird aus seiner Unehrlichkeit angebliche Rücksichtnahme.

Er stellt sich als jemanden dar, der dich vor unangenehmen Wahrheiten bewahren wollte.

Natürlich verschweigen Menschen manchmal Dinge aus Angst oder Unsicherheit.

Problematisch wird es jedoch, wenn wichtige Informationen bewusst zurückgehalten werden und dein Partner anschließend behauptet, dies ausschließlich zu deinem Wohl getan zu haben.

Echte Fürsorge bedeutet nicht, einem anderen Menschen das Recht auf die Wahrheit zu nehmen.

„Jetzt bin ich wieder der Böse, oder?“

Diese Ausrede kann besonders verwirrend sein, weil sie die gesamte Richtung eines Gesprächs verändert.

Du hast ihn bei einer Lüge erwischt und möchtest eine Erklärung. Doch plötzlich wird er traurig, wütend oder auffällig verzweifelt.

„Natürlich bin ich wieder an allem schuld.“

„Egal, was ich mache, für dich bin ich immer der schlechte Mensch.“

„Du siehst überhaupt nicht, wie viel ich für diese Beziehung tue.“

Vielleicht zieht er sich zurück, schweigt demonstrativ oder erklärt, dass ihn niemand wirklich versteht.

Und plötzlich passiert etwas Merkwürdiges: Du beginnst, ihn zu trösten.

Du versicherst ihm, dass du ihn nicht für einen schlechten Menschen hältst. Vielleicht entschuldigst du dich sogar dafür, dass du das Thema angesprochen hast.

Die ursprüngliche Frage bleibt unbeantwortet.

Dieses Verhalten kann einer Täter-Opfer-Umkehr entsprechen. In bestimmten Fällen ähnelt es dem sogenannten DARVO-Muster: Das eigene Verhalten wird geleugnet, die andere Person angegriffen und die Rollen von Täter und Opfer werden umgekehrt.

Natürlich darf sich jemand nach einem Fehler schämen oder schlecht fühlen. Doch seine Gefühle sollten nicht dazu führen, dass du deine berechtigten Fragen zurücknehmen musst.


Warum funktionieren solche Ausreden immer wieder?

Weil sie häufig genau dort ansetzen, wo du emotional besonders verletzlich bist.

Du liebst deinen Partner. Du möchtest keinen Streit. Du hoffst, dass er ehrlich ist und eure Beziehung funktioniert.

Vielleicht bist du ein Mensch, der viel über sich selbst nachdenkt und bereit ist, eigene Fehler einzugestehen.

Doch genau diese Bereitschaft kann in einer unausgeglichenen Beziehung gegen dich verwendet werden.

Du überprüfst immer wieder dein Verhalten, während dein Partner sich kaum mit seinem auseinandersetzt.

Und weil es zwischendurch auch schöne Momente gibt, möchtest du ihm noch eine Chance geben.

So entsteht ein Kreislauf: Eine Lüge wird entdeckt, eine Ausrede folgt, der Streit endet ohne Klärung und nach einiger Zeit wiederholt sich alles.

Das Problem ist irgendwann nicht mehr nur die ursprüngliche Lüge. Es ist die Tatsache, dass Verantwortung dauerhaft vermieden wird.

Wie solltest du reagieren?

Versuche, dich nicht in endlosen Diskussionen zu verlieren. Du musst nicht jede seiner Behauptungen widerlegen oder dich gegen jeden Vorwurf verteidigen.

Bleibe beim eigentlichen Thema.

Wenn er sagt, du würdest übertreiben, kannst du antworten: „Wir können darüber sprechen, wie ich reagiert habe. Aber zuerst möchte ich klären, was passiert ist.“

Wenn er dir die Schuld gibt, kannst du deutlich machen: „Wir können über unsere Probleme sprechen. Trotzdem bist du für deine Entscheidung selbst verantwortlich.“

Achte besonders darauf, ob nach einer Entschuldigung tatsächlich eine Veränderung folgt.

Eine ernst gemeinte Entschuldigung zeigt sich nicht nur in schönen Worten, sondern darin, dass jemand sein Verhalten überdenkt und Verantwortung übernimmt.

Wenn Gespräche regelmäßig in Schuldzuweisungen, Einschüchterung oder Abwertung enden, kann Unterstützung durch vertraute Menschen oder eine Beratungsstelle hilfreich sein.

Wer immer eine Ausrede hat, übernimmt selten Verantwortung

Jeder Mensch macht Fehler. Jeder Mensch hat schon einmal etwas verschwiegen, ungeschickt reagiert oder versucht, sich zu rechtfertigen.

Der entscheidende Unterschied liegt darin, was danach geschieht.

Ein verantwortungsbewusster Partner kann sagen: „Ja, das war falsch. Ich verstehe, dass ich dich verletzt habe.“

Ein Mensch, der dauerhaft jede Verantwortung abwehrt, lässt dich dagegen mit deinen Fragen, Zweifeln und Enttäuschungen allein. Und irgendwann geht es nicht mehr darum, ob du seine Ausreden glaubst.

Es geht darum, wie oft du bereit bist, dieselbe Verletzung zu erleben, ohne dass sich etwas verändert.

Denn eine Beziehung wird nicht dadurch gesund, dass einer immer wieder verzeiht, während der andere immer neue Ausreden findet.

Du kannst einen Menschen lieben und trotzdem erkennen, dass seine Erklärungen nicht mehr ausreichen.

Manchmal ist die wichtigste Antwort auf eine weitere Ausrede deshalb keine neue Diskussion, sondern eine klare Grenze.

Quellen

George K. Simon – „In Sheep’s Clothing: Understanding and Dealing with Manipulative People“ (2010). Über Manipulation, Schuldverschiebung, Rechtfertigungen und verdeckte Machtstrategien.

Lundy Bancroft – „Why Does He Do That? Inside the Minds of Angry and Controlling Men“ (2003). Über kontrollierendes Verhalten, Ausreden, Schuldzuweisungen und emotionale Abwertung in Partnerschaften.

Stephanie Moulton Sarkis – „Gaslighting: Recognize Manipulative and Emotionally Abusive People—and Break Free“ (2018). Über Lügen, Verdrehung der Wahrheit, Manipulation und das gezielte Verunsichern des Partners.

Author

  • Melina Lauer Fuchs

    Ich bin Melina, Autorin dieses Textes. Mit meinen Worten möchte ich berühren, aufrütteln und zum Nachdenken anregen. Themen wie emotionale Verletzungen, familiäre Muster und inneres Wachstum begleiten mich seit vielen Jahren – beruflich wie persönlich. Wenn du dich in meinen Zeilen wiederfindest, dann weißt du: Du bist nicht allein.

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