Narzisst und Kompromisse: 5 Gründe, warum es mit ihm keine gibt

Narzisst und Kompromisse 5 Gründe, warum es mit ihm keine gibt

Ihr habt lange geredet. Am Ende steht eine Einigung: Das nächste Wochenende verbringt ihr bei deinen Eltern, das übernächste mit seinen Freunden.

Du bist erleichtert, weil es diesmal ohne großen Streit ging. Doch am Freitagabend sagt er plötzlich, er sei zu müde für die Fahrt. Eine Woche später sitzt ihr wie selbstverständlich bei seinen Freunden.


Vielleicht kennst du solche Situationen nicht nur von Wochenendplänen.

Es geht um den Urlaub, ums Geld, um die Frage, wer die Kinder abholt, oder darum, wie oft ihr deine Familie besucht.

Ihr einigt euch auf einen Kompromiss. Und am Ende passiert doch genau das, was er von Anfang an wollte.

Mit der Zeit merkst du, dass sich ein Muster wiederholt. Du gehst auf ihn zu, gibst nach, suchst nach Lösungen. Er bleibt, wo er ist.

Natürlich ist nicht jeder Mann, der gern seinen Kopf durchsetzt, ein Narzisst. In jeder Beziehung gibt es Phasen, in denen einer mehr nachgibt als der andere.

Bei Menschen mit ausgeprägten narzisstischen Verhaltensmustern kann Nachgeben jedoch eine besondere Bedeutung haben.

Es fühlt sich für sie oft nicht wie ein Schritt aufeinander zu an, sondern wie eine Niederlage.

Dass Kompromisse mit ihm so selten gelingen, hat meist mehrere Gründe.


1. Gewinnen: Für ihn ist jedes Gespräch ein Wettkampf

Du möchtest über ein Problem sprechen. Er hört etwas anderes: einen Angriff, den er abwehren muss.

Schon nach wenigen Sätzen geht es nicht mehr darum, wie ihr den Urlaub plant oder wer welche Aufgaben übernimmt. Es geht darum, wer recht hat.

Er unterbricht dich und wiederholt seine Argumente lauter. Oder er holt alte Geschichten hervor, die mit dem eigentlichen Thema nichts zu tun haben.

„Du hast doch letztes Jahr auch allein entschieden, wohin wir fahren.“ Dabei weißt du genau, dass es so nicht war.

Irgendwann verteidigst du dich für Dinge, die Monate zurückliegen. Dein ursprüngliches Anliegen ist längst untergegangen.

Ein Kompromiss würde bedeuten, dass am Ende beide etwas bekommen und beide auf etwas verzichten.

Doch wer jedes Gespräch als Wettkampf erlebt, kann mit einem Unentschieden wenig anfangen.

Für ihn zählt nur, wer sich durchsetzt.

Manche Frauen merken mit der Zeit, dass gerade ihre Gelassenheit ihn besonders reizt. Warum ein Narzisst deine Ruhe oft schwerer erträgt als deinen Streit, hat viel mit diesem Bedürfnis nach Überlegenheit zu tun.

Wo es nur Gewinner und Verlierer gibt, wird jede Einigung zu einer Bedrohung für sein Selbstbild.

2. Kontrolle: Er gibt nur nach, solange er die Bedingungen bestimmt

Manchmal sieht es so aus, als würde er einlenken.

„Gut, dann fahren wir eben zu deinen Eltern.“ Er sagt es mit einem Seufzer, der dir zeigt, welches Opfer er gerade bringt.

Doch dann bestimmt er, wann ihr losfahrt und wie lange ihr bleibt. Er ist einsilbig, schaut ständig auf sein Handy und drängt nach einer Stunde zum Aufbruch.

Auf der Rückfahrt herrscht eisiges Schweigen. Und du fragst dich, ob es das wirklich wert war.

Formal hat er nachgegeben. In Wirklichkeit hat er die Kontrolle nie abgegeben.

Solche scheinbaren Zugeständnisse sind besonders verwirrend. Du kannst ihm kaum vorwerfen, dass er nicht nachgibt, denn eigentlich hat er doch zugestimmt.

Und trotzdem fühlst du dich danach nicht verstanden, sondern schuldig.

Beim nächsten Mal überlegst du dir genauer, ob du überhaupt fragst. Viele Frauen beginnen an diesem Punkt, ihre Wünsche vorsorglich kleiner zu machen.

Lieber gar nicht erst fragen, als später den Preis dafür zu bezahlen.

3. Sonderrechte: Regeln gelten für dich, nicht für ihn

Ihr habt vereinbart, größere Ausgaben vorher miteinander zu besprechen. Du hältst dich daran.

Er kauft sich eine teure Uhr und erwähnt es beiläufig beim Abendessen. Als du nachfragst, reagiert er gereizt.

Er arbeite schließlich hart und müsse sich nicht für jede Kleinigkeit rechtfertigen.

Ein paar Wochen später bestellst du dir eine Winterjacke. Plötzlich ist von eurer Absprache wieder die Rede.

Ähnlich ist es bei anderen Vereinbarungen. Du sollst dich melden, wenn es später wird. Er kommt nach Hause, wann er möchte.

Du sollst Rücksicht auf seine Stimmung nehmen. Deine Stimmung spielt für ihn kaum eine Rolle.

Ein übersteigertes Anspruchsdenken gehört zu den Merkmalen, die häufig mit Narzissmus in Verbindung gebracht werden.

Wer so denkt, hat oft das Gefühl, dass für ihn andere Maßstäbe gelten als für alle anderen.

Ein Kompromiss setzt voraus, dass beide Partner gleich viel zählen. Wenn sich einer insgeheim für wichtiger hält, wird jede Abmachung einseitig.

Du hältst dich an Regeln, die er für sich selbst nie wirklich akzeptiert hat.

4. Umdeutung: Hinterher war es nie so abgemacht

Ihr habt etwas klar besprochen. Du erinnerst dich genau an das Gespräch, an den Ort und sogar an seine Worte.

Doch als es darauf ankommt, sagt er: „Das habe ich so nie gesagt.“ Oder: „Du hast das wieder falsch verstanden.“

Vielleicht schreibst du dir Absprachen inzwischen auf, um dich selbst abzusichern.

Vielleicht zweifelst du an deinem Gedächtnis, obwohl du sonst sehr zuverlässig bist.

Wenn Vereinbarungen nachträglich umgedeutet werden, verliert ein Kompromiss seinen Sinn. Er gilt nur so lange, wie er ihm nützt.

Solche Verdrehungen wirken wie Kleinigkeiten, doch sie haben eine große Wirkung. Irgendwann gibst du lieber selbst nach, als wieder darüber zu diskutieren, was eigentlich gesagt wurde.

Und mit jeder dieser Diskussionen wird es schwerer, deiner eigenen Wahrnehmung zu vertrauen.

Manchen Frauen hilft es, wichtige Absprachen kurz schriftlich festzuhalten, etwa in einer Nachricht. Nicht, um ihn zu überführen, sondern um sich selbst daran erinnern zu können, was wirklich vereinbart war.

5. Verhandeln: Deine Wünsche werden zur Verhandlungsmasse

Du wünschst dir, dass er sich am Sonntag Zeit für dich nimmt. Er antwortet: „Kann ich machen. Dafür will ich dann aber am Samstag meine Ruhe.“

Was als Wunsch begann, wird zu einem Tauschgeschäft.

Er rechnet auf, was er für dich getan hat, und erinnert dich an Gefallen, die Wochen zurückliegen. Jede Zuwendung bekommt einen Preis.

Manchmal fühlt es sich an, als würdest du ein Konto führen, auf dem du immer im Minus stehst. Egal, wie viel du gibst, es reicht nie ganz.

Und wenn er dir doch einmal entgegenkommt, wird das zum Pfand für den nächsten Streit. „Ich habe dir damals auch nachgegeben.“

In gesunden Beziehungen gibt es selbstverständlich ein Geben und Nehmen.

Doch es entsteht aus Zuneigung und gegenseitigem Respekt, nicht aus einer ständigen Abrechnung.

Wenn du für jedes Bedürfnis eine Gegenleistung erbringen musst, lernst du, deine Wünsche lieber für dich zu behalten.

Ein Kompromiss soll beide entlasten. Bei ihm wird er oft zu einer weiteren Möglichkeit, Druck auszuüben.

Narzisst und Kompromisse: Warum du trotzdem immer wieder nachgibst

Von außen wirkt es manchmal einfach. Warum bestehst du nicht auf deinem Wunsch? Warum gibst du nach, obwohl du merkst, dass es dir nicht guttut?

Die Antwort ist selten Schwäche.

Oft steckt Hoffnung dahinter. Die Hoffnung, dass er beim nächsten Mal einlenkt, wenn du dich nur genug bemühst.

Manchmal ist es der Wunsch nach Frieden. Nach einem ruhigen Abend, an dem nicht wieder alles eskaliert.

Und viele Frauen haben im Laufe der Beziehung gelernt, dass Widerspruch teuer wird. Schweigen, Vorwürfe oder tagelange Kälte sind dann schwerer auszuhalten als ein weiterer Verzicht.

So wird Nachgeben zur Gewohnheit, ohne dass du dich jemals bewusst dafür entschieden hast.

Woran du merkst, dass nur noch du dich bewegst

Ein solches Ungleichgewicht entwickelt sich oft langsam. Deshalb ist es schwer zu erkennen, solange man mittendrin steckt.

Ein paar ehrliche Fragen können dir helfen, klarer zu sehen.

Wann hat er das letzte Mal von sich aus nachgegeben, ohne es dir später vorzuhalten?

Sprichst du deine Wünsche noch aus, oder überlegst du vorher, wie er darauf reagieren könnte?

Fühlst du dich nach einer Einigung erleichtert oder vor allem erschöpft?

Du musst nicht jede Diskussion gewinnen, um dich zu schützen. Oft hilft es, Absprachen kurz und klar zu halten und dich nicht auf endlose Rechtfertigungen einzulassen.

Manchmal genügen ruhige Antworten, die eine Provokation ins Leere laufen lassen.

Wichtig ist auch, deine eigenen Grenzen zu kennen. Worauf kannst du dich einlassen, und wo bist du nicht mehr bereit nachzugeben?

Wenn dich die Beziehung dauerhaft belastet, kann eine Beratung oder eine psychotherapeutische Begleitung helfen, deine Situation mit etwas Abstand zu betrachten.

Ein Kompromiss braucht zwei Menschen

Vielleicht hast du lange geglaubt, du müsstest nur die richtigen Worte finden. Noch geduldiger erklären, noch besser vorbereiten, noch freundlicher bitten.

Doch ein Kompromiss entsteht nicht dadurch, dass einer immer mehr nachgibt. Er entsteht nur, wenn beide bereit sind, sich zu bewegen.

Wenn in deiner Beziehung immer nur du nachgibst, liegt das nicht daran, dass du zu viel verlangst. Es zeigt, wie wenig Platz deine Bedürfnisse bisher bekommen haben. Und sie sind es wert, ernst genommen zu werden.

Quellen

  • Bärbel Wardetzki: „Und das soll Liebe sein?“ (dtv) – Über narzisstische Beziehungsmuster und Wege, sich aus belastenden Partnerschaften zu lösen.
  • Reinhard Haller: „Die Narzissmusfalle“ (Ecowin) – Über Narzissmus im Alltag, in Beziehungen und in der Gesellschaft.

Author

  • Melina Lauer Fuchs

    Ich bin Melina, Autorin dieses Textes. Mit meinen Worten möchte ich berühren, aufrütteln und zum Nachdenken anregen. Themen wie emotionale Verletzungen, familiäre Muster und inneres Wachstum begleiten mich seit vielen Jahren – beruflich wie persönlich. Wenn du dich in meinen Zeilen wiederfindest, dann weißt du: Du bist nicht allein.

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