Narzissten sind nicht glücklich – egal, wie perfekt ihr Leben wirkt
Es gibt Menschen, die ihr ganzes Leben damit verbringen, etwas zu suchen, ohne genau zu wissen, wonach sie eigentlich suchen. Von außen betrachtet scheint es, als hätten sie alles. Sie haben Freunde, einen Partner, eine Familie, Erfolg oder Geld. Sie lachen, reisen und präsentieren der Welt ein Leben, das beneidenswert wirkt.
Doch wenn man genauer hinsieht, erkennt man etwas Merkwürdiges.
Sie kommen niemals zur Ruhe.
Kaum haben sie ein Ziel erreicht, suchen sie bereits nach dem nächsten. Kaum haben sie die Aufmerksamkeit eines Menschen gewonnen, verlieren sie das Interesse. Kaum haben sie etwas aufgebaut, sehnen sie sich nach etwas Neuem.
Genau das ist einer der Gründe, warum viele Narzissten nicht wirklich glücklich sind.
Sie jagen einem Gefühl hinterher
Viele Menschen glauben, dass Narzissten Menschen lieben. In Wirklichkeit lieben sie oft viel mehr das Gefühl, das ihnen diese Menschen geben.
Sie lieben die Bewunderung.
Sie lieben die Aufmerksamkeit.
Sie lieben die Aufregung.
Sie lieben das Gefühl, wichtig zu sein.
Doch Gefühle dieser Art sind vergänglich. Sie verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind. Deshalb brauchen viele Narzissten immer wieder neue Bestätigungen.
Es ist ein wenig so, als würde jemand versuchen, ein Fass ohne Boden zu füllen.
Für einen kurzen Augenblick scheint die Leere zu verschwinden. Doch schon kurze Zeit später ist sie wieder da.
Sie möchten bewundert, aber nicht erkannt werden
Vielleicht liegt genau darin der größte Widerspruch.
Narzissten möchten im Mittelpunkt stehen. Sie möchten gesehen werden. Gleichzeitig haben viele von ihnen Angst davor, dass andere Menschen erkennen könnten, wie unsicher sie tatsächlich sind.
Deshalb erschaffen sie eine Fassade. Manche wirken besonders erfolgreich. Andere erscheinen außergewöhnlich charmant.
Wieder andere präsentieren sich als besonders großzügig, intelligent oder stark. Doch hinter dieser Maske verbirgt sich oft eine große Angst.
- Die Angst, nicht gut genug zu sein.
- Die Angst, gewöhnlich zu sein.
- Die Angst, abgelehnt zu werden.
Sie verwechseln Aufmerksamkeit mit Liebe
Ein glücklicher Mensch freut sich über ehrliche Beziehungen. Er sucht Menschen, bei denen er sich sicher fühlt. Er weiß, dass Liebe Vertrauen, Geduld und gegenseitigen Respekt braucht.
Viele Narzissten erleben Beziehungen jedoch auf eine andere Weise.
- Sie möchten geliebt werden, ohne ihre Schwächen zu zeigen.
- Sie möchten Nähe, ohne Verletzlichkeit zuzulassen.
- Sie möchten Bewunderung, ohne Verantwortung zu übernehmen.
Doch echte Liebe funktioniert nicht auf diese Weise.
Liebe verlangt Ehrlichkeit. Sie verlangt Geduld und die Bereitschaft, den anderen Menschen so anzunehmen, wie er wirklich ist.
Genau das fällt vielen Narzissten schwer.
Deshalb bleibt immer ein Gefühl der Unzufriedenheit
Vielleicht hast du selbst erlebt, wie ein Narzisst sein Leben verändert hat. Vielleicht hat er den Arbeitsplatz gewechselt, neue Freundschaften geschlossen oder eine neue Beziehung begonnen.
Und vielleicht hast du dich gefragt, warum er niemals zufrieden ist.
Die Antwort könnte darin liegen, dass er immer im Außen sucht, was nur im Inneren gefunden werden kann.
- Er hofft, dass ein anderer Mensch ihn heilt.
- Er hofft, dass Erfolg ihn erfüllt.
- Er hofft, dass Bewunderung seine Zweifel verschwinden lässt.
Doch nichts davon hält lange an.
Die traurige Wahrheit
Vielleicht besteht die größte Tragödie darin, dass viele Narzissten nie verstehen, warum sie sich trotz aller Erfolge leer fühlen.
Sie glauben, dass ihnen noch etwas fehlt.
Mehr Geld.
Mehr Aufmerksamkeit.
Mehr Anerkennung.
Mehr Liebe.
Doch das Problem liegt oft ganz woanders.
Denn Glück entsteht nicht durch Perfektion. Es entsteht auch nicht dadurch, dass andere Menschen uns bewundern.
Glück entsteht dort, wo ein Mensch Frieden mit sich selbst schließt. Und genau dieser Frieden fehlt vielen Narzissten. Deshalb wirken sie oft stark, obwohl sie innerlich kämpfen.
Deshalb wirken sie oft zufrieden, obwohl sie ständig weitersuchen. Und deshalb erscheint ihr Leben manchmal perfekt, obwohl sie sich selbst nie wirklich angekommen fühlen.
Quellen
Craig Malkin – Rethinking Narcissism: The Secret to Recognizing and Coping with Narcissists (2015)
Joseph Burgo – The Narcissist You Know: Defending Yourself Against Extreme Narcissists in an All-About-Me Age (2015)
Wendy T. Behary – Disarming the Narcissist: Surviving and Thriving with the Self-Absorbed (2008)
Elinor Greenberg – Borderline, Narcissistic, and Schizoid Adaptations: The Pursuit of Love, Admiration, and Safety (2016)





