Erschöpftes Kind – Wenn Ruhe ein Fremdwort war

Erschöpftes Kind – Wenn Ruhe ein Fremdwort war

Immer war etwas los. Immer Bewegung. Immer Lärm.

Nie wirklich Stille. Nie wirklich Ankommen.


Manchmal hatte ich das Gefühl, mein Körper läuft, obwohl ich schon längst nicht mehr kann.

Ein Termin jagte den nächsten. Schule, Hobbys, Erwartungen.

Ich wollte einfach nur kurz nichts. Kein Reden. Kein Müssen. Kein Weiterfunktionieren.

Aber Pausen gab es selten.

Und wenn sie kamen, fühlten sie sich komisch an. Wie etwas Verbotenes.

Ich erinnere mich, wie ich mich schuldig fühlte, wenn ich nichts tat.

Wie ich dachte, ich müsse mich beeilen. Schnell wieder „normal“ sein.

Als Kind spürte ich oft diese Müdigkeit im ganzen Körper.

So eine, die nicht mit Schlaf verschwindet.

Es war eine Erschöpfung, die niemand wirklich sah.

Weil ich gut darin war, zu lächeln. Weil ich brav war.

Weil ich selten laut sagte, dass ich nicht mehr kann.

Und wenn ich es doch mal versuchte, kam oft: „Du bist doch noch jung.“

Als ob Müdigkeit nur Erwachsenen erlaubt ist.

Ich habe gelernt, zu funktionieren.

Auch wenn mein Inneres längst auf Pause drückte.

Ich war überreizt. Von allem.

Geräusche waren zu laut. Gedanken zu viel.

Und mein Herz zu schnell.

Ich weiß noch, wie ich manchmal einfach nur wollte, dass jemand mich hält.

Ohne Worte. Ohne Fragen. Einfach nur da sein.

Aber oft war keiner da.

Oder sie waren da, aber nicht wirklich anwesend.

Ich glaube, viele haben gar nicht gemerkt, wie müde ich war.

Wie dringend ich Ruhe gebraucht hätte.

Nicht Schlaf. Nicht Fernsehen.

Sondern echte Ruhe.

So eine, in der ich nichts leisten muss.

In der ich einfach sein darf.

Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, was mir damals gefehlt hat.

Heute schaue ich zurück und erkenne: Ich war nicht schwierig. Ich war erschöpft.

Nicht faul. Nicht unmotiviert.

Nur überfordert von zu viel.

Von zu wenig Raum. Zu wenig Verständnis. Zu wenig Halt.

Ich wünsche keinem Kind dieses Gefühl.

Dieses ständige Weiter. Dieses Nie-genug.

Ich wünsche, dass wir heute besser hinsehen.

Nicht jedes Kind, das still ist, ist zufrieden.

Nicht jedes Kind, das schreit, will nur Aufmerksamkeit.

Manchmal ist es einfach ein müdes Herz, das endlich gesehen werden will.


Author

  • Melina Lauer Fuchs

    Ich bin Melina, Autorin dieses Textes. Mit meinen Worten möchte ich berühren, aufrütteln und zum Nachdenken anregen. Themen wie emotionale Verletzungen, familiäre Muster und inneres Wachstum begleiten mich seit vielen Jahren – beruflich wie persönlich. Wenn du dich in meinen Zeilen wiederfindest, dann weißt du: Du bist nicht allein.

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