Flying Monkeys nach der Trennung: Wenn gemeinsame Freunde plötzlich Partei ergreifen
Eine Trennung beendet manchmal eine Beziehung, aber nicht den Einfluss, den ein ehemaliger Partner auf dein Leben ausüben möchte. Besonders schmerzhaft wird es, wenn dieser Einfluss plötzlich von Menschen ausgeht, denen du bisher vertraut hast.
Du hast dich von einem Mann getrennt, weil du in dieser Beziehung nicht mehr glücklich warst. Vielleicht hast du jahrelang seine Launen ertragen, dich für Dinge entschuldigt, die du nicht getan hast, und immer wieder gehofft, dass sich etwas verändert.
Jetzt bist du endlich gegangen.
Du möchtest nicht mehr streiten, nichts mehr erklären und vor allem nicht mehr ständig über ihn sprechen. Doch plötzlich scheint jeder etwas über eure Trennung zu wissen.
Deine Freundin erzählt dir, dass dein Ex-Partner kaum noch schlafen könne. Seine Schwester wirft dir vor, du hättest ihn im Stich gelassen. Ein gemeinsamer Bekannter möchte wissen, ob du nicht wenigstens noch einmal mit ihm reden könntest.
Und dann erfährst du, dass er anderen erzählt, du seist egoistisch, undankbar und emotional instabil.
Das Merkwürdige daran ist, dass viele dieser Menschen vorher nie gefragt haben, wie es dir innerhalb dieser Beziehung ging.
Jetzt aber scheinen sie genau zu wissen, wer schuld an der Trennung ist.
Für dieses Verhalten gibt es in der Literatur über narzisstische Beziehungen einen ungewöhnlichen Begriff: Flying Monkeys.
Flying Monkeys – warum nennt man Menschen eigentlich fliegende Affen?
Der Ausdruck klingt zunächst seltsam. Was sollen fliegende Affen mit einer gescheiterten Beziehung zu tun haben? Seinen Ursprung hat der Begriff in der Geschichte Der Zauberer von Oz.
Darin besitzt die böse Hexe geflügelte Affen, die sie losschickt, um ihre Befehle auszuführen. Sie müssen nicht selbst entscheiden, gegen wen sie vorgehen. Sie handeln im Auftrag einer anderen Person.
Dieses Bild wurde später auf manipulative zwischenmenschliche Beziehungen übertragen.
Als Flying Monkeys bezeichnet man Menschen, die sich von einer anderen Person dazu bringen lassen, deren Interessen durchzusetzen.
Sie überbringen Botschaften, verbreiten Anschuldigungen, sammeln Informationen oder üben Druck aus.
Im Zusammenhang mit narzisstischem Missbrauch kann das bedeuten, dass gemeinsame Freunde oder Familienmitglieder nach einer Trennung zu Vermittlern, Verteidigern oder Unterstützern des ehemaligen Partners werden.
Manche tun dies bewusst. Andere glauben tatsächlich, dass sie helfen.
Der Ausdruck ist allerdings kein offizieller psychologischer Fachbegriff. Er beschreibt ein bestimmtes Verhalten, nicht eine medizinische Diagnose.
Wie schafft es ein Narzisst, andere Menschen auf seine Seite zu ziehen?
Stell dir einen Mann vor, der während seiner Beziehung häufig verletzend, kontrollierend oder abwertend war.
Zu Hause hat er seine Partnerin kritisiert, ihre Gefühle heruntergespielt und Konflikte immer wieder so dargestellt, als sei sie allein dafür verantwortlich. Nach außen zeigte er jedoch ein anderes Gesicht.
Bei Freunden war er freundlich, großzügig und hilfsbereit. Auf Familienfeiern erzählte er Witze, kümmerte sich um Gäste und vermittelte den Eindruck eines angenehmen Partners.
Als seine Partnerin ihn schließlich verlässt, verstehen viele Menschen ihre Entscheidung nicht. Sie kennen hauptsächlich seine öffentliche Seite. Und genau hier kann eine manipulative Dynamik entstehen.
Er erzählt, dass er alles für die Beziehung getan habe. Dass seine Partnerin sich plötzlich verändert habe. Dass sie ihn ohne Grund verlassen habe.
Vielleicht weint er sogar und berichtet, wie einsam er sich fühlt. Seine Zuhörer empfinden Mitleid.
Sie kennen nicht die Gespräche hinter verschlossenen Türen. Sie wissen nicht, wie oft seine Partnerin versucht hat, Probleme anzusprechen.
Also glauben sie, dass sie ihm helfen müssen. Und ohne es zu bemerken, beginnen manche, seinen Konflikt mit seiner ehemaligen Partnerin weiterzuführen.
Die Geschichte wird so erzählt, dass du zur Schuldigen wirst
Ein Mensch mit stark narzisstischen Verhaltensmustern kann besonders empfindlich auf Zurückweisung reagieren.
Eine Trennung bedeutet dann nicht nur, einen Partner zu verlieren. Sie kann auch das eigene Selbstbild erschüttern.
Wer sich selbst als besonders liebevoll, großzügig oder überlegen betrachtet, hat möglicherweise Schwierigkeiten, die Vorstellung auszuhalten, dass jemand die Beziehung aus guten Gründen verlassen hat.
Eine Möglichkeit, mit dieser Kränkung umzugehen, besteht darin, die Verantwortung nach außen zu verlagern.
Plötzlich bist du angeblich diejenige, die alles zerstört hat.
Er erzählt anderen, dass du undankbar gewesen seist, dass du ihn nie verstanden hättest oder dass du psychische Probleme hättest.
Vielleicht werden einzelne Situationen aus dem Zusammenhang gerissen.
Deine Reaktion auf jahrelange Konflikte wird ausführlich beschrieben, während sein eigenes Verhalten unerwähnt bleibt.
So entsteht eine Geschichte, in der er das Opfer und du die Schuldige bist.
Wenn gemeinsame Freunde diese Darstellung übernehmen und weiterverbreiten, können sie zu Flying Monkeys werden.
Warum ausgerechnet deine Freunde gegen dich handeln können
Nicht immer sind es seine Freunde oder Familienmitglieder. Manchmal sind es Menschen, die ursprünglich dir nahestanden.
Eine Freundin, der du früher deine Sorgen erzählt hast, beginnt plötzlich, dich zur Versöhnung zu drängen.
Vielleicht sagt sie: „Ich habe mit ihm gesprochen. Er ist gar nicht so, wie du ihn beschreibst.“
Oder: „Er hat mir erzählt, dass du ihn oft provoziert hast.“
Für dich ist das besonders schmerzhaft.
Du fragst dich, warum sie einem Gespräch mit ihm mehr Bedeutung beimisst als deinen jahrelangen Erfahrungen.
Doch Menschen sind nicht immer gute Beobachter fremder Beziehungen.
Sie lassen sich von überzeugenden Erzählungen beeinflussen, möchten Konflikte vermeiden oder glauben, beide Seiten miteinander versöhnen zu können.
Manche haben Angst, ihre eigene Freundschaft zu deinem Ex-Partner zu verlieren. Andere genießen möglicherweise die Rolle als Vermittler, weil sie sich dadurch wichtig fühlen.
Nicht jeder handelt aus böser Absicht. Aber auch gut gemeinte Einmischung kann verletzend sein, wenn sie deine Grenzen missachtet.
Wenn der Ex-Partner über andere Menschen weiterhin Zugang zu dir hat
Du hast seine Telefonnummer blockiert. Du möchtest keine Nachrichten mehr bekommen und versuchst, deinen Alltag neu aufzubauen.
Doch dann schreibt dir eine gemeinsame Freundin: „Er wollte nur wissen, ob es dir gut geht.“
Am nächsten Tag kommt eine weitere Nachricht: „Er würde sich freuen, wenn du wenigstens einmal mit ihm sprichst.“
Später erzählt dir jemand, dass dein Ex-Partner gehört habe, du würdest einen neuen Mann kennenlernen.
Du fragst dich, woher er das weiß. Vielleicht hast du es einer Freundin erzählt, die diese Information weitergegeben hat. So kann eine Trennung ihren schützenden Abstand verlieren.
Obwohl du den direkten Kontakt beendet hast, gelangen Nachrichten, Fragen und Informationen weiterhin über Dritte zu dir.
Dieses Verhalten wird manchmal als indirekte Kontaktaufnahme oder Manipulation über Dritte beschrieben.
Besonders problematisch ist es, wenn du ausdrücklich keinen Kontakt möchtest und andere Menschen diese Entscheidung wiederholt missachten.
Warum Flying Monkeys dich emotional wieder an die alte Beziehung binden können
Nach einer belastenden Trennung brauchen viele Menschen Zeit, um sich zu erholen.
Sie möchten wieder ruhig schlafen, eigene Entscheidungen treffen und nicht ständig über vergangene Konflikte nachdenken.
Doch wenn gemeinsame Freunde immer neue Nachrichten und Vorwürfe überbringen, bleibt der ehemalige Partner gedanklich präsent.
Du beschäftigst dich erneut mit seinen Aussagen.
Du überlegst, was du antworten sollst.
Du ärgerst dich über Gerüchte und versuchst, deine Sichtweise richtigzustellen.
Vielleicht schreibst du lange Nachrichten, in denen du erklärst, was während der Beziehung tatsächlich passiert ist.
Damit fließt weiterhin ein großer Teil deiner Energie in den alten Konflikt.
Genau deshalb können solche Einmischungen die emotionale Erholung erschweren.
Warum du nicht jeden überzeugen kannst
Es ist verständlich, dass du möchtest, dass andere Menschen deine Entscheidung nachvollziehen.
Vielleicht wünschst du dir sogar, dass sie endlich erkennen, wie dein ehemaliger Partner sich dir gegenüber verhalten hat.
Doch manche Menschen möchten ihre Meinung nicht ändern. Sie haben sich bereits auf eine Seite gestellt oder kennen nur die Geschichte, die ihnen erzählt wurde.
Andere wollen sich überhaupt nicht mit schwierigen Wahrheiten beschäftigen. Du kannst deine Erfahrungen schildern. Aber du kannst niemanden zwingen, sie anzuerkennen.
Vor allem musst du nicht jede private Verletzung offenlegen, nur um zu beweisen, dass deine Trennung berechtigt war.
Eine Beziehung darf beendet werden, auch wenn das gemeinsame Umfeld die Gründe nicht versteht.
Wie du mit Flying Monkeys umgehen solltest
Wenn gemeinsame Freunde immer wieder Nachrichten deines Ex-Partners überbringen, kannst du eine klare Grenze setzen.
Sage beispielsweise: „Ich möchte keine Informationen über ihn bekommen und auch keine Nachrichten an ihn weitergeben.“
Wenn jemand deine Entscheidung ständig infrage stellt, musst du nicht immer wieder dieselbe Diskussion führen.
Achte außerdem darauf, wem du persönliche Informationen anvertraust.
Nicht jeder Mensch muss wissen, wo du dich aufhältst, mit wem du dich triffst oder welche Pläne du für die Zukunft hast.
Menschen, die deine Privatsphäre wiederholt missachten, kannst du auf Abstand halten.
Wichtig ist jedoch, nicht automatisch jeden gemeinsamen Freund als Gegner zu betrachten.
Manche möchten tatsächlich neutral bleiben und respektieren beide Seiten.
Eine gesunde Freundschaft erkennt man daran, dass jemand deine Grenzen akzeptiert, auch wenn er deine Entscheidung nicht vollständig versteht.
Die zweite Trennung: Wenn du dich auch von Freunden verabschieden musst
Vielleicht hast du geglaubt, mit dem Ende deiner Partnerschaft sei das Schwierigste überstanden. Doch nun musst du feststellen, dass einige Freundschaften ebenfalls nicht mehr so sind wie früher.
Menschen, denen du vertraut hast, verbreiten Gerüchte oder setzen dich unter Druck. Andere ziehen sich zurück, weil sie nicht zwischen zwei ehemaligen Partnern stehen möchten.
Das kann sich wie eine zweite Trennung anfühlen. Du verlierst nicht nur einen Menschen, mit dem du dein Leben geteilt hast, sondern möglicherweise auch einen Teil deines bisherigen sozialen Umfelds.
Doch nicht jede verlorene Verbindung ist ein Zeichen dafür, dass du etwas falsch gemacht hast.
Manchmal zeigt sich erst in schwierigen Situationen, welche Menschen deine Entscheidungen respektieren können.
Ein guter Freund muss deinen Ex-Partner nicht verurteilen, um deine Grenzen zu achten.
Er muss sich nicht einmal für eine Seite entscheiden.
Er sollte lediglich verstehen, dass deine Trennung keine Einladung ist, dich zu kontrollieren, zu verhören oder zur Rückkehr zu überreden.
Und vielleicht ist genau das eine wichtige Erkenntnis nach einer Beziehung, in der du dich ständig rechtfertigen musstest:
Du darfst Menschen in deinem Leben haben, die nicht alles über deine Vergangenheit wissen müssen, um deine Gegenwart zu respektieren.
Du darfst neu anfangen, ohne dich vor einem ganzen Freundeskreis verteidigen zu müssen. Denn deine Trennung ist keine öffentliche Abstimmung darüber, ob du gehen durftest.
Es war deine Beziehung. Es ist dein Leben. Und du hast das Recht, selbst zu entscheiden, mit wem du es in Zukunft teilen möchtest.






